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Kommt her, ihr, die ihr keine Luft mehr bekommt!

Illustration: Ein Mann mit weißer Basecap, langem grauem Bart und wildem schwarzem Lockenhaar steht in zerschlissener olivgrüner Jacke auf einer grünen Mülltonne und predigt mit erhobenem Zeigefinger zu einer Menschenmenge in einer sonnigen Großstadtstraße.

Der Mad Preacher stieg auf die Mülltonne, das war seine Kanzel. Eine Gruppe versammelte sich um ihn. Er starrte sie eine Weile an, und dann schrie er in die Menge:

Kommt her, ihr, die ihr keine Luft mehr bekommt!

Kommt her, ihr, die ihr verdammt wurdet!

Kommt her, ihr, die ihr vor Gott davongerannt seid, weil man es euch ständig erzählt hat: Gott sei ein Monster, ein Sadist, ein Grillmeister, der sein Vergnügen daran hat, Geschöpfe zu erschaffen, die er dann wie Bratwürstchen grillt. Erzählt, bis ihr es für eure eigene Stimme hieltet … und eure eigene Stimme für die Stimme Gottes.

Kommt her, ihr, die ihr euren Glauben nicht mehr rumschleppen wolltet, weil er allem widerspricht, was ihr über die Welt wisst.

Kommt her, ihr, die ihr bis jetzt „gute Taten” gesammelt habt und ständig Angst habt, nicht genug gesammelt zu haben. Leute, das Leben ist kein Pokémon-Spiel, bei dem es ums Sammeln von irgendwas geht.

Hat man euch erzählt, Gott liebt euch nicht?

Hat man euch erzählt, Gott hasst euch?

Hat man euch erzählt, Gott ist ganz, ganz sauer auf euch?

Aber, Mad Preacher, hast du nicht den Hochgelehrten Bla gehört?

Aber, Mad Preacher, hast du nicht den Rechtsgelehrten Blub gehört?

Ich sag’s euch: „Ich hab sie sehr gut gehört, really.” Aber hey, ich musste sie auf mute stellen, um die Melodie Gottes zu hören, um den Gesängen des Universums zu lauschen. Und ich musste sie von meiner Tanzfläche verscheuchen, um aus Freude in Ruhe zu tanzen.

Es tut gut, wie herrlich ist es … hop, hop … Kommt, tanzt mit mir. Auf unserer Tanzfläche gibt’s keine Verurteilung, wir suchen hier keinen Superstar, keinen Supermuslim.

Kommt her, ihr, die ihr nie getanzt habt, weil ihr die göttlichen Melodien bis jetzt noch nicht gehört habt, auf die Liebesgesänge nie gehorcht habt.

Ihr habt bis jetzt nur Lärm gehört, nur Rauschen, nur Khhhhrrrschhhh … Khhhhhrrschh.

Aber, Mad Preacher: „Musik ist haram!”

Fresse, sage ich dir!

Du bist selbst Musik, du dummes Stück! Du schwingst die ganze Zeit, du bist eine Sammlung von Wellen, eine Sammlung, ein HAUFEN von Quanten, die schwingen … du bist Musik und ewiger kosmischer Tanz.

Kommt her, ihr, die ihr unter eurer Angst leidet.

Gott hasst nicht.

Gott ist nicht Mustafa von der Grillbude.

Ihr habt Angst vor einer Karikatur eurer selbst, eurer Väter.

Ihr habt Angst vor Tyrannei. I laugh my ass off. Wie kann man glauben, dass Gott so wäre?

Wer hat euch so einen Gott verkauft?

Die Rattenfänger, die von eurer Angst leben?

Die Paradiesmakler, die euch sagen, ihr bekommt einen Platz bei Gott, nur durch uns? Nur durch das, was wir erdacht haben?

Die Glaubensmarketing-Experten, die euch von einer „wahren” Lehre überzeugen wollen?

Die Performer, die euch Psychosen als Gottesfurcht verkaufen?

Kommt her, ihr, die ihr keine Luft mehr bekommt!

Kommt her, denn der Atem Gottes ist überall.

Er stieg ab und lief die Straße runter.